Freitag, 22. Juli 2011

Von Ponyhof zum Plattendeal

Jupiter Jones auf dem Weg in die Oberliga


Wittlich in der Eifel ist nicht gerade die Welthauptstadt des Rock'n'Roll. Hier steht seit hundert Jahren der erste Jugendknast Preußens. Immerhin durfte kürzlich eine lokale Coverband vor ausgewählten Häftlinge auftreten. 
Jupiter Jones haben keinen Bock auf Jailhouse Rock. Sie wollen raus, die Welt erobern.
"Es ist jedoch schwer, ein Band aus so einem musikalischen Niemandsland deutschlandweit bekannt zu machen", sagt Gitarrist Sascha Eigner."Wenn du dagegen in Hamburg wohnst, kannst du schnell ein paar wichtige Leute in einen angesagten Club einladen." 
Mittlerweile ist es andersrum. Im vergangenen Oktober lädt sie Starmoderatorin Ina Müller in ihre Hamburger Fernsehkneipe ein und singt mit ihnen das neue Lied "Still". Aber es hat Blut, Schweiß und Alkohol gekostet, bis es soweit war.
Jupiter Jones verdanken ihre Existenz einer Schnapsidee: Im Herbst 2002 beschließen vier Jungs auf einer Party, eine Band zu gründen. Sie nennen sie nach dem Detektiv aus der Jugendbuchserie "The Three Investigators" - auf Deutsch: "Die drei ???".
"In der Eifel kannst du nur Musik machen oder Fußball spielen", behauptet Sänger Nicholas Müller. Er trifft die anstrengendere Wahl. 
Acht Jahre lang rocken Jupiter Jones jede Steckdose in Reichweite, musizieren sogar unplugged im Kloster. Sie lassen sich im PopCamp des Deutschen Musikrates drillen und touren für das Goethe-Institut durch Bulgarien. Füllen drei CDs und eine DVD mit klingender Seelenpein und veröffentlichen sie auf dem eigenen Label Mathildas & Titus Tontraeger. Eine Ochsentour für die Band, deren Mitglieder über die Republik verstreut wohnen. 
Die kostbare gemeinsame Zeit verbringen Nicholas Müller, Sascha Eigner, Drummer Marco Hontheim und Bassist Andreas Becker im Wittlicher Proberaum. Die rotgestrichene Kammer am Rande einer Pferdekoppel wird tageweise zum Zentrum ihres Universums. 
"Es gibt nichts, was hier stört", meint Nicholas Müller. "Man kann den Fokus auf's Musizieren legen, auf's Songschreiben. Auf das, was wichtig ist."
Im Sommer 2010 unterschreiben Jupiter Jones bei Branchenriesen Sony. Der vermarktet witzigerweise auch die Hörspielausgabe der Detektivserie "Die drei ???". Im Februar 2011 erscheint das selbstbetitelte Majordebüt. 
Sind Jupiter Jones in der Oberliga angekommen ? Ihre Single läuft im Radio, der Clip auf tape.tv. Konzerte werden in größere Clubs verlegt. Die Band gibt in drei Wochen so viele Interviews wie vorher in drei Jahren. 
Die Entscheidung gegen die Fußballerkarriere hat sich wohl gelohnt.


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Jupiter Jones
»Jupiter Jones«
Columbia/Sony  VÖ: 25.2.


Duesenberg. So heißt ironischerweise die Gitarrenmarke, die Nicholas Müller spielt – ein bubenhafter Brocken, der brüllen kann wie eine brennende Airbus-Turbine. Doch der Frontmann von Jupiter Jones beherrscht auch die leisen Töne, wie die erste Single des neuen Albums beweist. »Still« hat das Zeug zur Stadionhymne. Vier Minuten, in denen unzählige Feuerzeuge ihr Leben aushauchen. Um kurz darauf von der studentischen Jugend im Moshpit zerstampft zu werden. 


Fazit: Deutsch-Rock für Grübler, zwischen Schwermut und Tanzvergnügen

(c) Mark Modsen 07. Februar 2011, erschienen in der melodie&rhythmus 02/2011

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